Auftanken in inspirierender Gemeinschaft
Gratulation zu 30 Jahren «Ferien am Meer». Was bedeutet dieses Jubiläum für Sie persönlich und für Surprise Kultour Reisen AG?
Daniel Siddiqui: Für uns ist es ein riesiges Privileg, dass wir dieses Projekt seit vielen Jahren gemeinsam mit der GvC Winterthur verantworten dürfen. Es begeistert mich zu sehen, dass mittlerweile schon drei Generationen dabei sind: Eltern, die damals teilnahmen, ihre Kinder, die heute selber Eltern sind, und die ihre Kinder mitnehmen.
Wenn Sie auf diese 30 Jahre zurückblicken: Was hat sich verändert und was ist gleich geblieben?
Die DNA unserer Ferienangebote war und ist die Gemeinschaft miteinander. Mehr als 1000 Personen aus der ganzen Schweiz kommen zusammen, um sich zu erholen und Gott zu erleben. Früher waren die Gästezahlen noch tiefer und wir wechselten oft Land und Hotel. Seit rund 20 Jahren sind wir nun sesshaft im gleichen Hotel in Griechenland. So entstanden sowohl tiefe Beziehungen unter den Gästen als auch zu den Hotelangestellten. Man kennt sich und freut sich immer wieder, einander zu sehen.
Kultour steht für besondere Reisen zu besonderen Konditionen. Woher kommt dieser soziale Gedanke?
Wir sind ein Unternehmen mit genossenschaftlichen Wurzeln. Für Lernende der Quellenhof-Stiftung bieten wir das Angebot «Ferien am Meer» zu stark reduzierten Konditionen: Die Kosten werden von der Surprise Kultour AG und der Surprise Touristik Genossenschaft subventioniert. Die Lernenden beteiligen sich mit einem niedrigen Beitrag. Unser Ziel ist klar: Jungen Menschen, die sich sonst kaum eine Auszeit leisten könnten, solche besonderen Ferien zu ermöglichen.
Wie entstand die Zusammenarbeit mit der Quellenhof-Stiftung?
Da die Quellenhof-Stiftung und die GvC historisch miteinander verbunden sind, ist die Stiftung seit Jahren Teil unseres Ferienangebots und betreibt einen Infostand vor Ort. Genau dort ist dann die Idee entstanden: Wir haben das Anliegen gespürt, jungen Menschen in schwierigen Lebenssituationen diese einmalige Erfahrung zu ermöglichen. Die Vision unseres Unternehmens lautet: «Unsere Reisen verändern Leben» und ich habe sofort gemerkt, dass dieses Projekt mit der Quellenhof-Stiftung zu uns passt. Es ist für uns ein Herzensanliegen und immer wieder wundervoll zu sehen, wie unsere Vision konkret wird.
Warum sind diese Ferien für junge Menschen wertvoll?
Gerade in der Jugend können solche Ferien eine riesige Chance sein. Sie ermöglichen Abstand vom Alltag, das Knüpfen neuer Beziehungen oder einfach mal zur Ruhe zu kommen. Letztes Jahr reisten 14 Lernende der Stiftung mit. Die Dynamik war unglaublich und ich glaube, die Lernenden haben sich untereinander nochmals anders kennengelernt. Wir haben auch von vielen Gästen positives Feedback zur Teilnahme der Jugendlichen erhalten.
Welche Rückmeldungen von Teilnehmenden haben Sie besonders berührt?
Eine Teilnehmerin schrieb uns: «Mir hat Griechenland sehr gefallen, weil ich viel Zeit mit Menschen verbringen konnte, mit denen ich mich wohlfühlte.» Ein Feedback, das mich speziell gefreut hat: «Ich liebte es, mit den verschiedensten Menschen Gemeinschaft zu erleben.»
Die Lernenden der Quellenhof-Stiftung befinden sich oftmals in herausfordernden Lebensphasen, viele von ihnen stehen unter grossem Druck. Was kann eine Auszeit am Meer bewirken?
Ein Szenenwechsel tut gut. Jugendliche kommen in gute Strukturen, erleben Gemeinschaft und werden betreut, wenn Herausforderungen auftauchen. Sie sammeln positive Erfahrungen, die ihnen Stabilität und Ressourcen für ihr weiteres Leben geben.
Welche Verantwortung tragen Unternehmen heute gegenüber der Gesellschaft?
Ein modernes Unternehmen verbindet wirtschaftliche, soziale und ökologische Verantwortung. Das Ferienangebot für Lernende ist für uns ein konkretes Beispiel für soziales Engagement: Wir schaffen einen direkten Impact und sehen, wie sich die Unterstützung auf Menschen auswirkt. Viele unserer Mitarbeitenden sind jeweils berufsmässig oder auch in ihrer Freizeit vor Ort und erleben so die Wirkung hautnah mit. Das verbindet und schafft Sinnhaftigkeit.
Was würden Sie anderen Unternehmen raten, die über soziales Engagement nachdenken?
Schauen Sie, wo eine Verbindung zu Ihrem Kerngeschäft besteht. Impact entsteht dann, wenn Mitarbeitende und Zielgruppe direkt profitieren. So bleibt das Engagement greifbar und nachhaltig. Uns ist es wichtig, unser Geld nicht einfach irgendwo hinzuschicken, wo wir keinen Bezug haben. Wir wollen die Wirkung mitgestalten. Aufgrund der lokalen Verankerung in Winterthur sowie dem gemeinsamen Nenner «Leben zu verändern» passt die Zusammenarbeit mit der Quellenhof-Stiftung perfekt zu unserem Unternehmen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft – für Kultour, die Reisen und junge Menschen?
Dass unsere Vision weiterlebt: Menschen durch unsere Angebote positiv prägen, Ressourcen mitgeben, Beziehungen schaffen. Wir haben dieses Jahr einen Leitungswechsel, Johannes Wirth, der nach 30 Jahren als Reiseleiter abtritt, übergibt die Leitung in jüngere Hände. Wir möchten inhaltlich neue Impulse setzen, ohne die DNA zu verlieren. Und für die jungen Erwachsenen: Dass sie erleben, wie wertvoll sie sind und einen festen Platz in der Gesellschaft haben.
Wenn Sie an einen jungen Lernenden denken, der erstmals ans Meer reist, was würden Sie ihm mit auf den Weg geben?
Probiere es einfach aus. Wage den Schritt aus deiner Komfortzone.
Text: Sandro Corrado
Frühjahr 2026