An der Sulzerallee 50 in Winterthur-Neuhegi leuchtet seit Ende April ein rund 30 Meter breites Wandgemälde: «The CarRots» – ein fahrendes Riesen-Rüebli mit Augenzwinkern. Was wie ein kreatives Streetart-Projekt aussieht, ist in Wahrheit weit mehr. Für die Jugendlichen aus dem Ausbildungsverbund der Quellenhof-Stiftung war diese Projektwoche im April 2026 ein Schritt in Richtung Selbstvertrauen, Verantwortung und Zukunftsperspektive.
Viele der beteiligten jungen Menschen haben keine geradlinige Bildungsbiografie. Schulische Schwierigkeiten, persönliche Krisen oder soziale Unsicherheiten hinterliessen Spuren. Manche leiden unter dem Gefühl, nicht zu genügen. Nicht dazuzugehören. Im Kunstprojekt erlebten sie etwas anderes. Sie trafen Entscheidungen, übernahmen Verantwortung und arbeiteten im Team. Und erlebten, was es bedeutet, etwas selbst zu erschaffen. Etwas das sichtbar ist und vor allem: etwas das bleibt. «Die Jugendlichen erfahren hier, dass sie Zukunft mitgestalten können und dass ihr Beitrag zählt», sagt Marcel Spiess, Co-Geschäftsführer der Quellenhof-Stiftung und Initiator des Projekts. «Solche Erfahrungen stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nachhaltig.» Genau darum geht es.
Der Titel «The CarRots» ist ein bewusstes Wortspiel – «Carrots» (Rüebli) trifft auf «The Car Rots» (das Auto verrottet). Das humorvolle Motiv lädt dazu ein, über nachhaltige Mobilität, Natur und gesunde Ernährung nachzudenken.
Dass solche Projekte möglich werden, geht nicht allein aus eigener Kraft. Dank der grosszügigen Unterstützung von Förderstiftungen, Unternehmen, staatlichen Stellen und unseren treuen Spenderinnen und Spendern können junge Menschen durch fördernde Projekte Zuversicht und Selbstvertrauen gewinnen. Seit 35 Jahren finden Menschen in herausfordernden Lebenssituationen in der Quellenhof-Stiftung einen sicheren Ort zum Aufblühen.
Das Wandbild bleibt dauerhaft bestehen. Für Winterthur ist es ein farbenfroher Blickfang. Für die beteiligten Jugendlichen ist es ein Meilenstein. Sie erlebten: Ich kann etwas bewirken. Ich werde gesehen. Ich habe einen Platz. Solche Erfahrungen verändern Haltungen – und oft ganze Lebenswege. Und genau darin liegt die gesellschaftliche Wirkung unserer Arbeit.
Text und Interview: Sandro Corrado