«Netzwerk als Chance» ist nicht nur ein Leitgedanke, sondern tief verankert in der DNA der Quellenhof-Stiftung. Menschen am Rande der Gesellschaft fehlt es oft an einem Netzwerk, an Menschen, die für sie da sind. Johannes Wirth, Gründer und Vizepräsident der Quellenhof-Stiftung, erkannte diese Not schon früh und handelte.
Es war ein kalter Samstagabend in Winterthur. Mit einer Kanne Kaffee in der Hand stand Johannes mitten unter Randständigen, hörte zu und schenkte Wärme, wo man sie am dringendsten brauchte. Plötzlich trat jemand auf ihn zu und sagte: «Mein Kollege braucht Hilfe.» Johannes folgte ihm und traf auf einen heroinabhängigen Mann. Diese Begegnung war der Anfang einer Berufung, die das Leben von Johannes prägte.
Immer mehr Menschen mit Suchtproblemen oder psychischen Erkrankungen fanden damals den Weg zu Johannes. Er nahm sie bei sich zu Hause auf, suchte Therapieplätze, hörte zu. Doch die Einrichtungen waren überfüllt. In dieser Not erhielt Johannes 1988 eine Vision von Gott: eine Stadt, in der Menschen aller Herkünfte, Kulturen und Altersgruppen zusammenleben und nach dem Prinzip der Nächstenliebe füreinander da sind. Diesen Ort kennen wir heute als Townvillage.
Über Jahrzehnte führten Johannes Wirth und Marcel Mettler die Quellenhof-Stiftung gemeinsam. Schritt für Schritt wurde aus der Vision Realität. Als Therapieort für Menschen mit Suchterkrankungen gestartet, kamen über die Jahre neue Angebote in den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Unterstützung und Bildung dazu. Dadurch fanden und finden bis heute unzählige Menschen ihren Weg zurück ins Leben.
Johannes ist mittlerweile 70-jährig. Er predigt fast jeden Sonntag in einer Kirche und begleitet Menschen als Coach. Dreimal pro Woche stehen zudem Sport und eine gute Lektüre auf dem Programm. «Ich höre nie auf zu lernen», sagt er mit einem Lächeln.
Ausserdem leitet er zusammen mit seiner Frau Erika Gruppenreisen für Surprise Kultour AG. Von Lernenden über Familien bis zu Rentnerinnen und Rentnern: Gemeinsam haben beide schon über 40 000 Menschen begleitet.
Sein Alltag hat sich verändert, doch seine Leidenschaft ist geblieben: «Mein Herz schlägt immer noch für die Quellenhof-Stiftung und ich stehe voll dahinter. Es ist für mich das Grösste, wenn Menschen in Not wieder Hoffnung schöpfen und aufblühen.»
Bild: Erika und Johannes Wirth und im Hintergrund das Townvillage, wo die Vision, die Johannes im Jahr 1988 erhielt, heute gelebte Realität ist.
Text: Sandro Corrado