Schon als kleines Mädchen kämpfte Eva mit grossen Ängsten und Selbstzweifeln. Schwere Depressionen und eine Borderline-Störung brachten sie später an den Rand des Abgrunds. Nach mehreren Suizidversuchen ist es fast ein Wunder, dass Eva heute sagen kann: «Es geht mir so gut wie noch nie.»
Der Satz, der rückblickend alles zusammenfasst:
«Der Flyer der Quellenhof-Stiftung hat mein Leben gerettet.»
Eva wuchs in einem christlichen Elternhaus mit zwei jüngeren Geschwistern auf. Früh spürte sie, wie schwer es ist, seinen Platz zu finden. Der Vater war viel abwesend, die Mutter überfordert. «Ich hatte liebe Eltern, aber ich wurde nie richtig gesehen», erzählt Eva. «Mein Mami fand irgendwie keinen Zugang zu mir, da sie dachte, ich sei ein Papi-Kind.» Dieser Eindruck hinterliess tiefe Spuren.
Schon als Kind litt sie unter psychischen Problemen. «Ich passte mich an wie ein Chamäleon und funktionierte einfach. Aber in mir war eine unendliche Leere. Dunkle Gedanken begleiteten mich sehr lange.»
Mit Anfang zwanzig geriet Eva in eine tiefe Identitätskrise. Fragen wie «Wer bin ich?» oder «Was will ich eigentlich?» raubten ihr den Schlaf. Nach einer Bibelschule besuchte sie das Abendgymnasium und wollte Polizistin werden. Doch plötzlich ging nichts mehr. Sie fiel in ein bodenloses schwarzes Loch.
«Krankheitsbedingt machte ich die Nacht zum Tag und stand oft erst um zwei Uhr nachmittags auf. Ich war arbeitslos.» Mehrere Versuche, in den Arbeitsmarkt zurückzukehren, scheiterten. Klinikaufenthalte, Therapien und Medikamente halfen nur kurzfristig.
«Es gab Zeiten, da wollte ich nicht mehr leben. Ich hatte das Gefühl, es gibt keinen Platz für mich.»
Suizidgedanken wurden zu ständigen Begleitern.
Der Wendepunkt kam unerwartet. Evas Mutter besuchte ein Konzert in der Parkarena Winterthur und entdeckte zufällig einen Flyer der Quellenhof-Stiftung. Sie nahm ihn mit nach Hause und gab ihn Eva.
Eva war skeptisch, wagte aber ein Probewohnen. Ein Mitarbeiter fragte sie damals:
«Was brauchst du, damit du zu uns kommen kannst?»
Für Eva, die aufgrund ihrer Erkrankung unter Zwängen litt, war die Antwort klar: «Ich konnte mich aus hygienischen Gründen nur auf Möbel ohne Polster setzen. Deshalb brauchte ich eine neue Matratze. Der Gedanke, auf einer gebrauchten Matratze zu schlafen, war unerträglich.»
Und dann passierte etwas, das sie bis heute bewegt:
Die Quellenhof-Stiftung besorgte ihr eine neue Matratze – nur für sie.
«Zum ersten Mal erlebte ich echte Aufmerksamkeit. Nicht meine Diagnose stand im Vordergrund, sondern ich als Mensch.»
Die ersten Monate im Therapiehaus waren hart. Oft dachte Eva: «Hoffentlich ist das bald vorbei. Das Programm – aber auch mein Leben.» Doch durch professionelle Begleitung, ehrliche Zuwendung und wachsendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten begann sie Schritt für Schritt Verantwortung zu übernehmen.
Sie arbeitete im Näh- und Dekoatelier, reflektierte Beziehungen und baute Stabilität auf. Allmählich verzog sich der dunkle Nebel der Suizidgedanken. Der Wille zu leben kehrte zurück.
Nach der Zeit im Therapiehaus zog sie in eine Aussenwohngruppe. Dort lernte sie Eigenverantwortung, den Umgang mit Rückschlägen und wie man ein selbstbestimmtes Leben führt. Schliesslich kam der grosse Moment:
Sie konnte in ihre eigene Wohnung ziehen – ihr «kleines Königreich».
Heute lebt Eva seit 14 Jahren selbstständig. Sie arbeitet im zweiten Arbeitsmarkt, hat feste Strukturen im Alltag, treibt Sport und pflegt wertvolle Beziehungen.
Besonders wichtig ist ihr die Versöhnung mit ihren Eltern. Vor dem Tod der Mutter konnten sie ihre Vergangenheit aufarbeiten – es entstand eine tiefere Verbundenheit als je zuvor. Und auch mit ihrem Vater ist Eva heute versöhnt.
Die Veränderung zeigt sich nicht nur innerlich. Auch äusserlich ist der Prozess sichtbar:
Eva hat ihr Gewicht von 166 auf 83 Kilo halbiert.
«Eine Therapie lohnt sich immer. Es ist hart, streng und schmerzhaft. Aber es lohnt sich! Ich bin so froh, dass ich mein Leben aufräumen konnte und jetzt vorwärtsschauen kann.»
Für die Zukunft wünscht sich die lebensfrohe Frau einen Partner an ihrer Seite und ein normales Leben. «Das Erlebte hat mich stärker gemacht. Ohne die Therapie und die Begleitung in der Quellenhof-Stiftung wäre ich heute nicht mehr hier.»
Zum Abschluss zeigt Eva ihre Halskette mit drei Symbolen: Kreuz, Herz und Anker – sie stehen für Glaube, Liebe und Hoffnung.
«Genau das habe ich hier erfahren. Und genau das möchte ich weitergeben. Wenn meine Geschichte anderen Menschen Mut macht, dann hat sich alles gelohnt.»
Text: Sandro Corrado