Die Quellenhof-Stiftung engagiert sich für Lernende, die durch schwierige Lebensumstände herausgefordert sind. Besonders die Corona-Krise hat viele junge Menschen aus der Bahn geworfen. Ihnen bietet die Quellenhof-Stiftung nun Stabilität und Unterstützung. Gerne möchte ich Ihnen heute Anina und ihren Weg vorstellen.
Aninas Geschichte ist einzigartig und doch eine von vielen. Sie begann ihre Lehre als Kauffrau, dann kam Corona. Ihre Schulnoten verschlechterten sich und ihre Ängste wurden immer grösser, bis sie schliesslich ihr gesamtes Denken beherrschten. Sie hatte Angst davor, Fehler zu machen, ging jeder Konfrontation aus dem Weg und wurde zunehmend verschlossener.
Sie brach ihre Lehre ab und kam nach einem Praktikum auf einem Reiterhof schlussendlich in die Bridge. Dort fand sie einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen konnte. Einen sicheren Hafen, in dem sie ohne Druck verschiedene Arbeiten erledigen konnte. So sammelte sie wertvolle Erfolgserlebnisse und stellte sich gemeinsam mit einem Coach ihren Ängsten. Nach ihrer Zeit in der Bridge begann sie eine Lehre im Buchhandel bei Fontis, im Geschäft in Winterthur.
Jetzt sitzt Anina vor mir und beantwortet meine Fragen mit erstaunlicher Gelassenheit. Etwas, das vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar gewesen wäre. Sie erzählt, dass die Ängste noch nicht ganz verschwunden sind und Fehler sie noch immer verunsichern. Gleichzeitig weiss sie, dass sie enorme Fortschritte gemacht hat, und sie kämpft unbeirrt weiter. Auf die Frage, wie sie sich an schwierigen Tagen motiviere, antwortet sie entschlossen, dass sie sich gar nicht erst frage, ob sie gehen wolle, sondern sie tue es einfach.
Rebekka Wigert, ihre Berufsbildnerin bei Fontis, unterstützt Anina und überträgt ihr immer mehr Verantwortung. Anina lernt zunehmend, die grössere Verantwortung zu tragen. Rebekka Wigert ist froh, Anina als Lernende zu haben. Den Kontakt zur Quellenhof-Stiftung empfindet die Berufsbildnerin als angenehm. Wenn Hilfe benötigt werde, sei diese immer verfügbar. Auch Anina steht noch regelmässig in Kontakt mit ihrer Ausbildungscoachin, und im Lerncenter der Quellenhof-Stiftung erhält sie Unterstützung bei den Schularbeiten. Als ich die Berufsbildnerin fragte, warum sie sich der Herausforderung stelle, eine Lernende aufzunehmen, antwortete sie: «Wenn wir nicht ein Ort sind, an dem Menschen so sein können, wie sie sind, wo denn sonst?» Von ihrem ersten Treffen mit Anina erzählt sie: «Mein Herz hat einfach Ja gesagt.»
Interview und Text: Sunniva Nilsson, 2. Lehrjahr
Sind auch Sie bereit, Lernenden wie Anina eine Chance auf Erfahrung im regulären Arbeitsmarkt zu bieten?