Ob Alkohol, Marihuana, Kokain oder Heroin – es gab kaum eine Droge, die er nicht ausprobiert hatte. Dani Högger erlebte, was es heisst, am Abgrund zu stehen. Seine Geschichte ist die von Schmerz, Hoffnung und einem neuen Leben.
Dani und sein Bruder wuchsen auf dem Land auf und verbrachten zusammen viel Zeit in der Natur. Er erlebte eine Kindheit voller Freiheiten, aber auch voller Unsicherheiten. Seine Eltern trennten sich früh und die Mutter arbeitete viel, um die Familie zu versorgen. Mit der Pubertät kam der Drang nach Abenteuern – und leider auch der Kontakt mit Drogen. In der Sekundarschule fing er an zu rauchen, ging oft in den Ausgang und konsumierte bald auch exzessiv Alkohol. Als Dani 16 Jahre alt war, lernte er auch den berüchtigten Platzspitz kennen. Die Menschen dort machten ihm Angst, doch gleichzeitig fühlte er eine gewisse Faszination. Und so verfiel er bald der Versuchung von Kokain und Heroin.
Der Teufelskreis aus Sucht und Beschaffungskriminalität nahm Fahrt auf. Anfangs noch mit einer gewissen Vorsicht, spritzte sich Dani bald alles, was er in die Finger kriegte. Innerhalb kurzer Zeit war er körperlich und psychisch abhängig und lebte nur noch für den nächsten Rausch. Dani erklärt es so: «Heroin macht dir sehr grosse Versprechen, hält sie für einen kurzen Moment und nimmt dir am Schluss alles. Man liebt es und hasst es gleichzeitig und bekommt trotzdem nie genug davon.»
Um an seinen Stoff zu gelangen, wurde Dani sogar zum Dieb. Er sah Menschen sterben, wurde Zeuge von Gewalt und verlor sechs enge Freunde in kurzer Zeit. «Solange du konsumierst, bleibt das alles irgendwie weit weg», erinnert er sich. Ein erster Entzugsversuch scheiterte. Doch seine Familie konnte das Elend nicht länger ertragen und stellte ihm ein Ultimatum. Dani zog zu seinem Vater nach Romanshorn, begann eine Ausbildung als Maurer und wurde clean. Neun Monate lang gab er jeden Tag eine Urinprobe ab.
Dani schaffte es, seine Maurerlehre abzuschliessen, lernte seine Frau kennen und wurde Vater. Doch die Sucht lauerte weiter. Ein Joint zum Genuss, und schon zog es ihn wieder hinein in die dunkle Spirale der Sucht. Er ging wieder regelmässig in den Ausgang, und ehe er sich versah, kiffte er rund um die Uhr. Auch Kokain, Heroin oder Speed standen bald wieder auf seinem Tagesplan. Auch als seine Frau schwer erkrankte, änderte er nichts. Das Paar lebte nicht mehr zusammen und stand kurz vor der Scheidung. Doch dann entschied sich Dani, zusammen mit seiner Frau einen Gottesdienst in der GvC Winterthur zu besuchen. An diesem Morgen spürte er den Heiligen Geist und noch am selben Wochenende entschied er sich für ein Leben als Christ. Alle seine Drogen spülte er die Toilette hinunter.
Heute ist Dani seit 20 Jahren clean – und ein strahlendes Vorbild für andere. Für Dani war schnell klar, dass er aus seiner dunklen Vergangenheit etwas Gutes machen möchte. Er engagierte sich in der Suchttherapie, begleitete Betroffene auf ihrem Weg aus der Abhängigkeit und öffnete sogar sein Zuhause für Menschen, die Unterstützung brauchten. Seine eigene Geschichte half ihm, andere zu verstehen und zu ermutigen. Er sagt: «Wenn Jesus mich frei machen konnte, dann kann er es bei jedem.» Inzwischen arbeitet Dani im Bereich Dienstleistung & Logistik in der Quellenhof-Stiftung. Er liebt es, gemeinsam mit anderen etwas zu schaffen und seine Erfahrungen weiterzugeben. Privat geniesst er die Zeit mit seiner Familie und seinen Enkeln. Er ist dankbar für das Geschenk seines zweiten Lebens – und wir sind dankbar für einen grossartigen Mitarbeiter, der ein lebendiger Beweis dafür ist, dass es immer Hoffnung gibt.
Text: Sandro Corrado